Wie wir zu unserem neuen rollenden Zuhause kamen

Die aktuelle Lage fordert Durchhaltevermögen, Spontanität und Anpassungsfähigkeit. Der Frühling verläuft für uns nicht so, wie es noch vor ein paar Wochen geplant war. Alice wäre eigentlich jetzt schon auf dem Schiff und für Alex wäre es am Samstag soweit gewesen. Als nach und nach Reisen abgesagt, das öffentliche Leben stillgelegt und eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen wurde, war uns klar, dass es noch etwas dauern kann, bis unser Leben wieder in diesen Plan rutscht. Also haben wir kurzerhand einen Neuen geschmiedet. Wir ziehen in ein Reisemobil und machen vorerst Work & Travel im eigenen Land. Wie es dazu kam und wie sich unsere Gedanken die letzten Monate über entwickelten, erfährst Du in diesem Beitrag.

Amerika im Herbst 2019 - Unsere ersten Erfahrungen mit einem rollenden Zuhause

Im Oktober letzten Jahres erfüllten wir uns einen großen Traum und verbrachten sechs Wochen in den USA. Um eine noch größere Freiheit genießen zu können, entschieden wir uns nicht für einen klassischen Roadtrip mit Mietwagen und Übernachtungen in Motels, sondern für fahrbare Unterkünfte. Im nordöstlichen Neuengland war ein Ford E-150 unser ständiger Begleiter. Recht spartanisch mit einem Bett und einer provisorischen Küche mit Pumpspüle ausgestattet, erkundeten wir inmitten einer traumhaft herbstlichen Kulisse eine eigentlich so untypische Gegend für Amerika. Der sogenannte Fall Foliage, oder auch Indian Summer genannt, zog uns in seinen Bann und mit unserer mobilen Unterkunft konnten wir die spektakuläre Natur in vollen Zügen genießen.

Wir hielten uns zunächst mit der Buchung eines Vans für die Westküste zurück, da wir nicht wussten, wie wir mit dieser Art des Reisens zurechtkommen würden. Doch nach einigen Tagen unterwegs wurde klar >> das machen wir auf jeden Fall auf der anderen Seite des Landes genauso!<< Allerdings fehlte uns etwas Komfort und vor allem ein eigenes Bad. Auf einer Vergleichsseite wurden wir auf Kastenwagen-Camper aufmerksam und stellten fest, dass so gut wie kein Preisunterschied zu dem Modell bestand, mit dem wir gerade unterwegs waren. Aha! Das Mehr an Komfort war jedoch erheblich. Alex konnte trotz 1,87 m im Fahrzeug stehen, eine Wasserpumpe ließ normales Spülen zu, eine Heizung brachte am Abend und am Morgen eine heimelige Atmosphäre und ein komplett ausgestattetes Bad erlaubte Körperhygiene und Erleichterung, wann immer man dies wollte. 

Die Entscheidung fiel schnell und so holten wir den Kastenwagen nach drei spannenden Wochen mit zahlreichen Erlebnissen und einem sechseinhalb-stündigen Flug nahe San Francisco ab. Schon beim Betreten des Vans waren wir begeistert und konnten die nächsten drei Wochen kaum abwarten. Der zusätzliche Komfort machte sich ab der ersten Sekunde bemerkbar. Wir waren so viel unabhängiger und konnten entspannter unterwegs sein. 

Wenn Du mehr über unsere zwei unterschiedlichen Van-Modelle erfahren möchtest, findest Du weitere Info’s und unseren Erfahrungsbericht in diesem Beitrag.

Und was wäre, wenn wir uns einen eigenen Camper zulegen würden?

In Neuseeland entschieden wir uns aus Kostengründen für einen Mietwagen. Eigentlich war ja Work & Travel geplant – wir rechneten also mit neuen Einnahmen. Da wir uns dann aber doch dagegen entschieden, den Komfort eines Kastenwagens nicht missen wollten und auch nicht wieder mit einem provisorischen Mobil umher fahren wollten, wurde es diesmal ein Toyota Corolla. Tag für Tag suchten wir nach Unterkünften, da wir ja nie so genau wussten, wo wir abends ankommen würden. Mal hatten wir Glück, Mal eher nicht so. Wir sehnten uns nach der Freiheit einer mobilen Unterkunft. Anfang 2020 zog es uns nach Andalusien, da wir keine Lust auf das Schmuddelwetter im deutschen Winter hatten, möblierte Wohnungen in Deutschland so unglaublich teuer sind und unsere Jobs auf dem Schiff erst wieder im Frühling starten sollten. 

In einer wunderschönen Wohnung direkt am Meer für unter 600 Euro pro Monat bauten wir diesen Blog auf, um von unseren Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten. Als wir über die Zeit in Amerika schrieben und uns die Bilder immer wieder anschauten, wurde die Sehnsucht größer und größer. Nicht nur nach der mobilen Unterkunft, sondern auch nach Amerika. Die einzigartigen National Parks, der Lifestyle, die Weite des Landes und die schier unendlich vielen Ecken, die es noch zu erkunden gibt. Wir wussten, dass wir für das nächste Mal mehr Zeit mitbringen müssen. Im Herbst letzten Jahres wollten wir so viel sehen, dass wir von den vielen Eindrücken irgendwann erschöpft waren und manches nicht mehr so genießen konnten, wie es hätte eigentlich sein sollen. 

Da wir ja gerade in einer Wohnung mit einer günstigen Langzeitmiete saßen, fragten wir uns, ob es solche Angebote vielleicht auch für die Miete von Campern gibt. Auf manchen Seiten wurde von Langzeitmieten und Sonderangeboten gesprochen, doch selbst bei einem tollen Angebot war die Rede von ca. 50 US-Dollar die Nacht, was im Monat immer noch ca. 1.500 Dollar macht. Da wir mindestens vier Monate bleiben wollen, wären das schon 6.000 Dollar!! Hinzu kommt, dass man in Amerika häufig einen nicht zu verachtenden Aufschlag für Meilen-Pakete zahlen muss und Kosten für Gas und Sprit geschweige denn Essen noch hinzukommen. >>Manno, das können wir uns einfach nicht leisten. Müssen wir von einer zweiten Tour für immer träumen?<< Von Escape Campervans, dem Vermieter des ersten Vans an der Ostküste, wussten wir, dass ein paar Modelle der Flotte auch verkauft werden. Zwischen 4.000 – 5.000 Dollar gibt es diese Vans zu haben. WHAT?! Dann haben wir mit unserer Miete ja einen halben Van gekauft! Da waren wir erstmal ziemlich angepisst und fragten uns, wie man seine Kunden so verarschen kann. Und man muss sich mal überlegen, dass wir für den Kastenwagen fast genau den gleichen Betrag zahlten! An sich ist das Konzept cool aber man kann diese abgerockten Fahrzeuge wirklich nicht für so viel Geld anbieten. Warum auch immer sind sie mit diesem Konzept trotzdem sehr erfolgreich. 

Naja gut, zurück zu uns. Wir fragten uns tatsächlich kurzzeitig, ob wir unsere Ansprüche doch zurückschrauben sollen und uns mit dieser Variante vielleicht den Traum erfüllen können. Rein interessehalber recherchierten wir auch mal einen Kaufpreis eines Kastenwagens, doch nach ein paar Minuten klickten wir die Suchergebnisse dann auch schnell wieder weg. Wenn, mussten wir mit dem geringen Komfort des Campingbusses auskommen, da wir dort vermutlich kein Finanzierungsangebot erhalten hätten. Doch dann machten sich weitere Fragen auf: >>Wir haben keine Adresse in den USA. Wie sollen wir das mit der Versicherung machen? Wie sollen wir das Fahrzeug anmelden?<< Nach einer weiteren Recherche und Abwägung der Möglichkeiten war uns das erstens etwas kompliziert und zweitens wollten wir wie gesagt einen gewissen Komfort nicht missen. 

Außerdem gibt es ja auch in Europa unendlich viele schöne Ecken, die man mit einem Camper erkunden kann. Selbst wenn wir irgendwo eine Finanzierung für einen Kastenwagen herbekommen würden… ein amerikanisches Freizeitfahrzeug später in Deutschland zulassen? Ohje. Aber die Idee eines eigenen Campers wurde für uns immer schlüssiger. Wir wissen noch nicht, wie oft wir zurück aufs Schiff möchten und wie sich die nächsten Jahre entwickeln werden. Doch wir wissen, dass wir uns erstmal nicht irgendwo festlegen wollen. >>Was bringt uns eine Wohnung, in der wir die meiste Zeit des Jahres nicht sind? Auf einen ,,normalen” Job haben wir vorerst keine Lust.<< Wir müssten Möbel kaufen, da wir unsere eigenen weitestgehend verkauft haben. Immer wieder einen neuen Untermieter zu suchen, damit man in der Zeit außerhalb des Schiffs die Wohnung nutzen kann, ist auch sehr mühselig. Zudem wollen wir in dieser Zeit ja meistens selbst auf Tour sein. Auch wenn man während des Einsatzes an Bord einiges von der Welt sieht und viele die Zeit als Urlaub sehen, ist es das ganz und gar nicht. Man hat so wenig Zeit, in der man das machen kann, was man möchte. Außerdem wurde Alice’ Auto zwischenzeitlich in Spanien auch noch zu einem Totalschaden gefahren, sodass wir nicht mal mehr einen fahrbaren Untersatz hatten. Mit einem Camper hätten wir sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Und so entwickelten wir in Spanien einen Plan.

Unser eigentlicher Plan für dieses Jahr..

Unsere Verträgen an Bord wären eigentlich Ende April (Alice) bzw. Anfang Mai (Alex) gestartet. Da wir uns die Fahrzeuge ja in Echt anschauen mussten, flogen wir Anfang März zurück und besuchten einige Händler. Selbstverständlich stand nur ein Kastenwagen auf unserem Radar – wir hatten damit ja so gute Erfahrungen gemacht. Doch als wir einem Händler unseren groben Plan erzählten, empfahl er uns ein teilintegriertes Reisemobil aus der Kompaktlinie, die vom Hersteller als Van bezeichnet wird. Beim ersten Anblick hatten wir beide nur einen Gedanken. >>Wir wollen doch kein Wohnmobil!<< Teilintegriert bedeutet, dass der vordere Teil des Fahrzeugs ein normaler Kastenwagen ist, allerdings hinter dem Fahrerhaus abgeschnitten wird und mit einem Aufsatz aus GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) versehen wird. Das Besondere dieser Kompaktlinie ist, dass sie von den Außenmaßen nur minimal größer als ein normaler Kastenwagen ist, jedoch einiges mehr an Komfort bietet. Die wesentlichen Unterschiede sind: 

✓ Es gibt eine sogenannte Heckgarage, die vom Wohnraum komplett abgetrennt ist und unter dem erhöhten Bett liegt. Sie ist sehr geräumig und bietet die Möglichkeit Tisch, Stühle, Grill etc. sehr praktisch unterzubringen. So muss man diese Gegenstände nicht über die Hecktüren direkt unter dem Bett übereinander stapeln. 

✓ Durch den etwas höheren Innenraum klebt Alex mit seinem Kopf nicht direkt unter dem Dach.

✓ Die GFK- Wände bieten eine bessere Isolierung, die vor allem im Winter von Vorteil ist. 

✓ Und zu guter letzt: Es gibt kaum einen Preisunterschied zwischen den beiden Modellen.

>>Hm, so ein Modell ist ja gar nicht so schlecht. Vielleicht nicht ganz so ,,cool” wie ein Campingbus oder Kastenwagen und wahrscheinlich werden wir nicht von fancy #vanlife-Seite gerepostet werden. Doch schon nach kurzer Zeit werden wir die Vorzüge vermutlich sehr schätzen.<<

Ok, überzeugt. Für ein Fahrzeug hatten wir uns also entschieden. Und weil es so viele Staaten und National Parks in Amerika gibt, die wir noch nicht gesehen haben, informierten wir uns, was denn eine Verschiffung kosten würde. Vom Händler bekamen wir den Tipp, dass das Unternehmen Seabridge in Hamburg solch einen Service anbietet. Super unkompliziert stellten wir online eine Anfrage und erhielten kurze Zeit später schon eine Rückmeldung. Die Kosten rechneten sich auf jeden Fall im Gegensatz zu den Mietpreisen vor Ort für einen Zeitraum über mehrere Monate. So wollten wir im November nach der Zeit auf dem Schiff unser Mobil abholen und dieses dann nach Amerika verschiffen lassen.

… und dann kam Corona

Kurz vor der Abreise aus Spanien kamen die ersten Meldungen, dass manche Reedereien ihre Asien-Saison abbrechen und die Schiffe zurückholen. Alice hatte ein mulmiges Gefühl und sagte zu der Zeit noch recht ironisch >>Vielleicht sollten wir uns jetzt schon einmal um einen anderen Job für diesen Sommer kümmern.<< Das alles so kam, wie wir es diese Tage erleben, vermuteten natürlich auch wir nicht ansatzweise. Als wir wieder zu Hause waren, entwickelte sich die Lage Stück für Stück weiter. Erste Reisen wurden nun auch weltweit für den März abgesagt. Da wir aber ja erst Ende April bzw. Anfang Mai aufsteigen sollten, hofften wir wie viele andere noch auf einen glimpflichen Ausgang und eine baldige Rückkehr zur Normalität. Dann kam sie, die weltweite Reisewarnung bis 30. April. Boom! Damit hatte sich Alice’ erste Reise erledigt und auch kurze Zeit später kam die Benachrichtigung vom Arbeitgeber. Man vermutete eine Wiederaufnahme des normalen Betriebs Mitte Mai, doch man müsse die Lage beobachten und kurzfristig nach Entscheidungen suchen. Auch Alex’ Aufstieg wurde ohne festes Datum auf Ende Mai verschoben. >>Naja gut, was sollen wir tun. Wir müssen einfach warten, wie sich die Lage entwickelt.<< Die Wartezeit nutzten wir, um Alice’ Eltern bei einigen Arbeiten am Haus zu unterstützen. Irgendwann waren auch wir davon überzeugt, dass es mit den Kreuzfahrten ab Ende Mai nichts werden wird. Vermutlich war im Juni oder sogar im Juli kein Aufstieg denkbar. Obwohl wir noch keine weiteren Absagen erhielten, entschieden wir uns dazu, den Camper jetzt schon zu kaufen. Wenn die Schiffe doch wieder zeitnah den Betrieb aufnehmen, haben wir eben schon unser fahrendes Zuhause und es steht im November für uns bereit. Auf die eigenen vier Wände zu verzichten hatten wir keine Lust mehr und auch wenigstens ein kleines Stückchen Abenteuer fehlte uns sehr. 

Unser neuer Plan

Work & Travel im eigenen Land – Solange die Grenzen geschlossen sind, bleibt uns ja nichts anderes übrig als in Deutschland zu bleiben. Die Zeiten sind ungewiss und wir wissen nicht, ob unsere unterschriebenen Verträge in ein paar Wochen bis Monaten angetreten werden können oder doch komplett abgesagt werden. Abgesehen davon, dass viele Firmen einen Einstellungsstopp ausgesprochen haben, suchen wir keinen festen, stationären Job. Ortsunabhängigkeit steht bei uns ganz oben, denn für uns gibt es viel zu viel zu sehen, als dass wir an einem Ort leben möchten. Wir sind auf eine Stelle als Erdbeerverkäufer aufmerksam geworden und haben uns einfach mal beworben. Kurze Zeit später erhielten wir schon eine Rückmeldung und werden am Samstag am Rande von Berlin anfangen. Im Sommer draußen arbeiten, entspannte sechs Stunden am Tag und auch noch von leckeren Erdbeeren umgeben sein – da gibt es doch wirklich schlechteres. Solange die Ungewissheit mit der Reisefreiheit besteht, sind wir über diese unkomplizierte Möglichkeit froh und warten ab, welche Möglichkeiten sich für uns in den nächsten Wochen ergeben werden. 

In diesem Beitrag erfährst Du alles über unser neues rollenden Zuhause. 

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