Rückblick auf 3 Monate On The Road

Es ist kaum zu glauben, dass mittlerweile schon drei Monate vergangen sind, seitdem wir Knuff in Mannheim abgeholt haben und mit unserem wenigen Hab und Gut eingezogen sind. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wie einem defekten Spülhahn und Kühlschrank, einer Vertreibung aus Sachsen-Anhalt sowie einer leichten Kollision mit einer Kiefer läuft jetzt alles schon viel runder. In diesem Beitrag möchten wir Dir nun also von unseren Anfängen vom Leben On The Road berichten, wir wir zurecht kommen und was wir bis jetzt lernen konnten. 

Falls Du nochmal kurz nachlesen möchtest, wie es überhaupt zu unserem Leben im Knuff kam, findest Du die Geschichte dazu gleich hier.

Die erste Woche - Ist der struggle jetzt irgendwie zum Alltag geworden?

Mittwoch, 06. Mai – Total aufgeregt ging es nach Mannheim, wo unser neues Zuhause bezugsbereit auf uns wartete. Schon während der Auffahrt auf den Hof erblickten wir ihn, wie er fein poliert in der Sonne glänzte. Corona-bedingt verlief die Übergabe recht spartanisch, es wurde versucht irgendwie Sicherheitsabstand einzuhalten und die wichtigsten Dinge abzuklappern. Von unserem Trip an der Westküste der USA wussten wir ja schon vieles, daher störte uns das jetzt nicht so. Im Verkaufsraum wurden dann noch ein paar Dokumente unterschrieben und uns wurde ein riesige Mappe mit Bedienungsanleitungen überreicht. Mit dem Schlüssel in der Hand ließen wir noch kurz ein Übergabe-Foto schießen und dann ging es schon los. Es war so unwirklich, auf einmal loszurollen. Die erste Fahrt nach Hause verlief einwandfrei, auf dem Weg kauften wir noch schnell zwei Gasflaschen und zu Hause angekommen begannen wir direkt mit dem Einräumen. 

Vom defekten Spülhahn hin zur ersten Horror-Nacht

Nach dem Befüllen des Wassertanks drehten wir den Spülhahn auf und – es passiert nichts. Wie jetzt? Badtür auf – Wasserhahn an – Wasser läuft. Duschbrause an – Wasser läuft. Also musste was mit dem Spülhahn nicht stimmen. Naja gut, es war mittlerweile schon spät. 

Selbstverständlich wollten wir auch direkt im Knuff übernachten, er ist ja nun schließlich unser neues Zuhause. Daher packten wir die Matratzen aus der Plastikfolie aus, bezogen das Bett und machten es uns gemütlich. Hmm – darin lag der Fehler. Mitten in der Nacht nach unruhigen Stunden riss Alice das Fenster über dem Bett auf, da sie das Gefühl hatte durch gefühlt giftige Gase zu ersticken. Ein undefinierbarer, chemischer Duft erschwerte das Atmen immens. Wir hätten die eingeschweißten Matratzen einfach mal etwas lüften sollen. Hinzu kam, dass wir bei jedem Umdrehen irgendwo hängen blieben und der Vorhang jedes Mal klapperte. Tolle erste Nacht – das kann ja was werden. Etwas benebelt machten wir uns direkt auf nach Mannheim, um das Thema mit dem Spülhahn zu klären. Eine Minute nach Betreten des Fahrzeuges kam der Kollege dann auch schon wieder raus und meinte, dass das Kabel zum Auslösen der Wassserpumpe nicht richtig saß. Hätte man das vielleicht mal vor der Übergabe überprüfen können? Nun gut, es war viel zu tun und so arbeiteten wir unsere Liste ab. 

Der Wasserhahn in unserem Mobil

Das Thema mit dem Kühlschrank und die Corona-Vertreibung

Am Donnerstagabend, als wir den Kühlschrank füllen wollten, merkten wir, dass er gar nicht kalt war. Am nächsten Tag mussten wir uns aber Richtung Brandenburg machen, da wir Samstag ja in der Erdbeere anfangen sollten zu arbeiten. Also wollten wir uns um das Thema dann vor Ort kümmern. 

Am Freitag riefen wir unterwegs mal unseren Teamleiter an, um zu erfahren, wann wir wo für den Verkauf sein sollten. Dieser teilte uns dann mit, dass wir erst Montag anfangen. Da wir gerade sowieso in einer Vollsperrung steckten, entschieden wir kurzerhand für einen Zwischenstopp am Goitzschesee in Sachsen-Anhalt. Über die App Park4night fanden wir einen tollen Parkplatz direkt am See, wo wir eine ruhige Nacht verbrachten. Glücklicherweise befand sich nur zehn Minuten entfernt ein Sunlight Händler, den wir am nächsten Tag wegen des Kühlschranks aufsuchten. Der Kollege teilte uns mit, dass man dem Problem erst ab Montag nachgehen könnte. Doch da sollten wir ja mit der Arbeit starten. Also telefonierten wir ein paar Händler in Brandenburg ab, ob man uns nicht helfen könnte. Die Rückmeldungen waren mehr als ernüchternd. Man könnte uns in vier bis sechs Wochen einen Termin anbieten. Da wir den Kühlschrank jedoch für den alltäglichen Gebrauch benötigten, war das keine Lösung. So mussten wir unseren Teamleiter informieren, dass sich unser Start verzögert, da wir das Problem beheben mussten und man uns nur in Mannheim auf die Schnelle helfen konnte. Glücklicherweise war das kein Problem und wir waren froh, dass wir einen so schönen See in unmittelbarer Nähe hatten. 

Unsere kleine Küche im Sunlight V60

Also fuhren wir zurück zu dem Parkplatz, machten es uns mit unserem Tisch und den Stühlen mit Blick auf den See gemütlich und holten somit das Beste aus der Situation heraus. Bis ein Auto des Ordnungsamtes neben uns parkte. Die Beamten waren sehr freundlich und machten uns darauf aufmerksam, dass man sich aufgrund der Corona-Verordnung aktuell nur im Land Sachsen-Anhalt aufhalten darf, wenn man dort mit seinem Wohnsitz gemeldet ist. Aufgefallen sind wir durch unser Kennzeichen, welches jemand ja ganz offensichtlich gepetzt haben musste, so zielstrebig wie sie auf einem riesigen, verlassenen Parkplatz mit etlichen Nischen auf uns zugefahren sind. Als wir Ihnen mitteilten, dass nicht nur unser Fahrzeug, sondern auch wir nicht aus der Umgebung kommen, reichten sie uns einen Zettel, auf dem die Bußgelder vermerkt waren. Mit der freundlichen Aufforderung, das Bundesland jetzt unverzüglich zu verlassen. Wie jetzt? Werden wir gerade aus dem eigenen Land vertrieben? Aber ganz genau! Wäre unser Kennzeichen erneut gesichtet worden, hätten wir satte 800 Euro Strafe zahlen dürfen. Wir waren mit dieser Situation völlig überfordert, mega genervt und wussten nicht wohin mit uns. Aber eins war klar: Wir müssen jetzt hier weg. 

Parkplatz mit Wohnmobil am Goitzschesee in Sachsen-Anhalt

Obwohl wir am Montag einen Termin beim ansässigen Händler hatten und schon von einigen Händlern negative Rückmeldungen erhielten, entschieden wir uns trotzdem dafür Richtung Brandenburg bzw. Berlin zu fahren. Dort war die Corona-Verordnung lockerer und wir mussten ja sowieso in diese Ecke. Leichter Fehler, wie sich Montag Morgen herausstellte. Wir telefonierten jeden einzelnen Wohnmobil Händler als auch Vertragspartner des Kühlschkrank-Herstellers ab und niemand konnte oder wollte uns zeitnah helfen. Recht verzweifelt riefen wir unseren Verkäufer an, der uns am nächsten Tag anbot, den Kühlschrank auszuwechseln. Tzia, was sollen wir machen? Wir brauchen den Kühlschrank ja. Also machten wir uns ohne groß darüber aufzuregen nach zwei völlig nervenaufreibenden Tagen wieder auf den ganzen Weg zurück nach Mannheim. Was. Für. Eine. Geschichte. Nach diesen Erlebnissen fragten wir uns wirklich, ob wir unser Motto ändern sollten. Doch wir verstehen die Aussage ja nicht wortwörtlich, sondern als ironische Aussage, um eine unschöne Situation mit einem zwinkernden Auge getreu dem Motto ,,Das Leben ist kein Ponyhof” zu sehen. Es glitzert nunmal nicht immer alles. Nur fiel es uns irgendwann ziemlich schwer das eine Auge zuzuzwinkern. 

Die folgenden Wochen - eine Belohnung für die nervenaufreibenden Strapazen

Zurück in Brandenburg ging die Arbeit in der Erdbeere recht zügig los. Nach der ersten Schicht konnte man festhalten, dass es auf jeden Fall eine gute Beschäftigung für den Übergang ist. Völlig unkompliziert fingen wir dort auf die Schnelle an und somit waren alle anfallenden Kosten für die Rate, Sprit und Lebensmittel entspannt gedeckt. Mit der Zeit erkundeten wir mehr und mehr die Umgebung. Unsere Lieblingsstellplätze standen schnell fest, nämlich am besten mitten in der Natur. Der wöchentliche Wechsel zwischen Früh- und Spätschicht kam uns auch zu Gute, denn in der Spätschicht suchten wir uns immer ein Plätzchen, wo es uns besonders gut gefiel und nicht welches möglichst nah an der Erdbeere war. So zog es uns beispielsweise immer wieder an den Scharmützelsee, wo wir tolle Vormittage verbrachten. Dort gibt es einen richtig schönen Waldparkplatz, der nur wenige Meter zu Fuß vom Wasser und dem Uferweg entfernt liegt, also einfach perfekt ist. 

Alex hat das große Glück mit fast 30 noch beide Omas im Leben zu haben. So waren wir dort regelmäßig zu Besuch. Egal ob zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen, wir hatten immer eine schöne Zeit zusammen und genossen die Möglichkeit, noch ganz alten Geschichten lauschen zu können. Die Möglichkeit wieder Restaurants besuchen zu können ermöglichte den Damen auch mal etwas Abwechslung nach diesen langen, eintönigen Wochen. Besonders gut gefiel der jüngeren von beiden (nur 87 statt 91) eine Dampferfahrt durch die Stadt, denn so konnte sie sich ein schönes Bild davon machen, was sich in Berlin in den letzten Jahren so getan hat. Ebenso konnten wir eine schöne Zeit mit Alex’ Mama verbringen und bei einem Sonntagskaffee das jüngste Familienmitglied, den Sohn seines Cousins, kennenlernen. Auch sehr schön war der Besuch für eine gute Woche von Alice’ Eltern, die sich ein Häuschen am Storkower See nahmen. So konnten wir Bootstouren unternehmen und gemeisam auf der Terrasse mit Seeblick grillen.

Dampferfahrt in Berlin

Der Alltag kehrt selbst im Knuff ein - unsere wichtigsten Learnings

Mit der Zeit bekommen wir immer mehr Routine. Selten fallen noch Gegenstände umher, weil wir sie nicht sicher vor der Abfahrt verstaut haben. Zweifelhaftes Gewühle nach verschollenen Gegenstände kommt kaum noch vor, da wir für fast alles feste Orte definiert haben, um dem Ganzen vorzubeugen. Das Aufschieben vom Abwasch macht keinen Sinn, weil es super unordentlich aussieht, kostbaren Platz wegnimmt und einfach nur eklig ist, wenn die Bettdecke in der Nacht vom Umdrehen in schmutziges Geschirr rutscht. Die Heckstützen sollte man auch besser einfahren, bevor man losfährt. Nun kennt man ja den Hinweis ,,LKW schert aus” und hat in der Fahrschule auch fleißig gelernt, was das zu bedeuten hat. Dass das auch in minimierten Form bei Knuff passiert, lernten wir bei einer leichten Kollision mit einer Kiefer. Die Entsorgungsstelle auf einem Camplinplatz errreichte man nur über einen sehr schmalen Weg, um welchen rundherum freistehende Kiefern standen. Nach den Erledigungen wollten wir uns auf den Weg zurück machen, als wir auf einmal ein Quitschen hörten. Wir sind mit dem hinteren Ende der Markise an einer Kiefer kleben geblieben und die Verdeckung ist abgerissen. Ups. Nungut, das wissen wir jetzt auch. Und das Ersatzteil gab es für 25 Euro.

Den Prozess der Ver- und Entsorgung auf Campingplätzen oder an ausgewiesenen Stationen konnten wir aufs maximale optimieren – man kann den Wasserhahn ja nun nicht mehr als ganz aufdrehen. Bis das Wasser wieder aufgefüllt ist, ist die Kassettentoilette entleert und gereinigt und das Abwasser von den Waschbecken als auch der Dusche abgelassen. Allerdings sollte man das Ventil des Abwassertanks doch besser schließen, bevor man nach dem Entleeren ein geruchsneutralisierendes Mittel über die Spüle hinein gibt. Glücklicherweise ist die Flasche ziemlich groß. Mittlerweile hat sich die Ver- und Entsorgung alle vier Tage eingependelt. Wir haben zwar schon über die Einführung einer Komposttoilette nachgedacht, um vor allem auf den kommenden Reisen unabhängiger zu sein. Doch nach den vier Tagen ist auch meist unser Wasser leer. Zwar könnte man den Verbrauch durch häufigere Geschäfte in der Natur reduzieren und mit zusätzlichen Kanistern nachhelfen. Aber wir möchten erstmal richtig auf Reisen gehen, um uns mehr mit diesem Thema auseinander zu setzen. Nach dem Duschen muss das gesamte Bad trockengewischt werden, damit sich keine unschönen Ablagerungen bilden. Das hat den netten Nebeneffekt, dass danach alles auch schön plitzeblank ist. 

Ein täglich wechselnder Vorgarten - wie wir kostenfreie Plätze zum Schlafen finden

Amerika ist eine riesen Campernation. Die Amerikaner lieben es, am Wochenende mit ihren Familien hinaus in die Natur zu fahren und den Abstand zum Alltag zu genießen. Verständlich, wenn man im Schnitt nur ca. 15 bis 20 Urlaubstage pro Jahr hat. So wird einem das Campen auch sehr leicht gemacht, was wir letztes Jahr im Herbst selbst erleben konnten. Nicht nur, dass es viele unterschiedliche Kategorien von Campingplätzen gibt, die von 15 bis mehr als 100 Dollar die Nacht reichen, sondern es gibt auch viel öffentliches Land, auf dem das Wildcampen erlaubt und gern gesehen ist. Entlang von Sand- und Schotterwegen findet man zahlreiche gemütliche Nieschen, wo man sein Lager für die Nacht aufschlagen kann. Selbst wenn man mal nichts findet oder in einer Region ist, wo diese Möglichkeiten kaum vorhanden sind, gibt es immer noch zahlreiche Walmart-Parkplätze, auf denen das übernachten erlaubt ist. In Deutschland zum Beispiel ist das nicht immer ganz so leicht. 

Allgemein ist es in Deutschland so, dass man auf jedem mit einem P ausgeschilderten Parktplatz eine Nacht ,,zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit” übernachten darf. Es sei denn, es ist ein Schild angebracht, dass dies dort nicht gestattet ist. Das bedeutet dann allerdings auch, dass man kein ,,campingähnliches Verhalten” wie Tisch und Stühle aufstellen oder Grill auspacken an den Tag bringen darf. So kann es dann auch mal sein, dass wir spätabends einfach nur noch schlafen möchten und auf einem stinknormalen Parkplatz stehen. Wenn man nicht darauf geachtet hat, kann es auch sein, dass der Linienbus ab fünf Uhr morgens alle paar Minuten durchs Zimmer rollt. Es gibt aber auch wahre Traumplätze, wo man sich wirklich fragt, warum manche Geld für einen Campingplatz ausgeben, wo die Gefährte in Reih und Glied aneinander stehen. In den letzten Jahren stieg das Interesse an Reisen auf vier Rädern – egal in welcher Form – so an, sodass mittlerweile manche Städte und Gemeinden extra kostenfreie Parkplätze dafür ausweisen. Dies haben wir beispielsweise in Storkow und Flensburg gesehen. 

Für uns ist das mittlerweile immer eine Sache des Gefühls und des Prinzips ,,Wo kein Kläger, da kein Richter”. Wir schauen als erstes immer in die App Park4night. Hier tauscht sich die Community untereinander aus und teilt ihre Erfahrungen. Anhand der Kommentare lässt sich gut herauslesen, was einen dort erwartet. Doch auch wenn wir unterwegs einen schönen Platz sehen und uns dort wohlfühlen, bleiben wir einfach dort. Wichtig ist nur, dass man aus Respekt einen gewissen Abstand zu Wohnhäusern einhält. Allerdings haben wir in Berlin auch schon in Seitenstraßen geschlafen und uns dann aber auch wirklich nur wie ein parkendes Auto verhalten. Bis heute ist uns vor Ort noch nie ein komisches Erlebnis begegnet. Grüßt man passierende Menschen, wird man so gut wie immer freundlich zurück gegrüßt, auch wenn man zum Beispiel mit seinen Stühlen am Feld oder Wald sitzt.

Das Drama mit den Gasflaschen

Ebenfalls eine herrliche Geschichte. Wie schon oben erwähnt kauften wir direkt nach der Abholung zwei Flaschen, um unsere Geräte nutzen zu können. Beim Toom standen wir vor der Frage, ob wir rote oder graue Gasflaschen haben möchten. Ehm, keine Ahnung? Wir wurden freundlich auf das Preisschild hingewiesen. Daraus entnahmen wir, dass es sich bei den roten Flaschen um Pfandflaschen und bei den grauen um Eigentumsflaschen handelt. Guti. Wir dachten uns, dass eine Pfandflasche vermutlich praktischer ist, da man sie einfach nach dem Motto leer gegen voll umtauschen kann und sich nicht evtl. sogar um eine Befüllung kümmern muss. So fanden die zwei roten 11kg-Flaschen im Knuff Platz und der Anschluss funktionierte einwandfrei. 

Auch wenn wir an dem Gasanschluss sehen können, dass die zweite Flasche angezapft wurde, kümmerten wir uns nicht rechtzeitig um Ersatz. So waren nach sechs Wochen dann beiden Flaschen leer – an einem Sonntagmorgen auf einem Parkplatz am Scharmützelsee – ja super. Doch wir wussten mittlerweile, dass viele Campingplätze auch Gasflaschen im Angebot haben. So riefen wir einen naheliegenden an und wurden aufgeklärt, dass sie nur graue Gasflaschen wechseln. Ok, naja wir haben rote, also den nächsten anrufen. Auch nur graue. Beim nächsten Platz hatten wir Glück, sie nehmen auch rote an. Im gleichen Atemzug teilte die Dame allerdings mit, dass sie nur rote Flaschen annehmen, die von der Firma Tyczka sind. Da gibt es Unterschiede? Interessant. Also sind wir kurz raus an den Gaskasten und natürlich waren unsere Flaschen nicht von Tyczka, sondern von Cago Gas. Wir riefen noch einige weitere Plätze an und niemand konnte unsere Flaschen entgegennehmen bzw. tauschen 

Unsere Gasflaschen im Mobil

Auf der Webseite von Cago Gas gab es keine Händlersuche, sondern nur eine Auskunftsnummer, die natürlich erst wieder ab Montag besetzt war. Am nächsten Tag riefen wir direkt dort an und Achtung, es gibt einen Händler in ganz Berlin UND Brandenburg! Selbstverständlich am anderen Ende der Stadt, in Berlin Weißensee. Nun haben wir graue Gasflaschen, die nicht beschriftet sind. Fürs Ausland haben wir Adapter, sodass wir diese problemlos befüllen lassen können.

Dekoprojekte für ein heimliches Ambiente

Knuff ist von Haus aus mit unterschiedlichen Grautönen und einem modernen Holz sehr schön eingerichtet. Doch bedarf es natürlich ein paar individuellen Anpassungen, um sich so richtig wohzufühlen. Schon zu Hause kauften wir ein paar Sachen wie Hängegläser mit Zierpflanzen, Lichterketten und eine Lichtinstallation. Unterwegs kamen dann noch Kissen fürs Bett und die Sitzbank hinzu. Die Küche war uns auch noch etwas steril und so kamen wir auf die Idee die Wand mit Mosaik-Aufklebern zu zieren. In ein niegelnagelneues Fahrzeug Nägel zu hämmern ist uns nicht ganz so geheuer, daher haben wir noch Wandtattoos und Passepartouts als Bilderrahmen angeklebt. So sind wir auch flexibler, wenn wir mal umdekorieren wollen.

Unser erstes großes Abenteuer: Über Dänemark nach Norwegen

Mitten in der Corona-Zeit machten wir uns auf nach Brandenburg, um beim Erdbeerverkauf ein paar Euros zu verdienen. Zu der Zeit war die Lage auf dem Jobmarkt sehr schlecht und eine Reise außerhalb von Deutschland unmöglich. Wir wurden ja selbst im eigenen Land vertrieben und durften uns im Bundesland Sachsen-Anhalt nicht aufhalten. Nach dem Motto ,,Work and Travel im eigenen Land’’ wollten wir nach der Erdbeersaison die traumhaften Ecken Deutschlands erkunden – in der Hoffnung, dass lokale Beschränkungen bald aufgehoben werden. 

Parkplatz mit Wohnmobil am Goitzschesee in Sachsen-Anhalt

Nach gut eineinhalb Monaten ödete uns die Arbeit mittlerweile etwas an, da sie recht eintönig war und gerade unter der Woche meist sehr wenig los war. Zu der Zeit wurde bekannt gegeben, dass Reisen nach Norwegen vermutlich ab Mitte Juli wieder möglich sein werden. Aus vergangenen Reisen mit dem Schiff kannten wir die atemberaubenden Landschaften und das sogenannte Jedermannsrecht, welches in ganz Skandinavien gilt. Dies besagt, dass sich jeder unter Berücksichtigung von ein paar Regeln frei in der Natur aufhalten und diese genießen darf. Also zögerten wir nicht lange mit unserer Entscheidung. Unsere erste richtige Reise mit Knuff geht nach Norwegen. Genau genommen gilt das Jedermannsrecht zwar nur für Camper mit einem Zelt, allerdings verschwimmen die Abgrenzungen in einer Grauzone. Da Norwegen eine der größten Camper-Nationen in Europa ist und viele in ihrem eigenen Land reisen, werden die Camper-Mobile fast überall geduldet. An ein paar wenigen Plätzen – hauptsächlich in Ortszentren oder an Fischerhäfen – sind Verbotsschilder angebracht. In vielen Häfen haben wir allerdings auch gesehen, dass extra Camper-Stellplätze für 10-15 Euro die Nacht angelegt wurden.

Strandparken in Hirthals, Daenemark

Vor unserer Fährüberfahrt ab Dänemark genossen wir am 22. Juli noch die Sonnenstrahlen am Strand bei Hirthals. Hier darf man mit den Fahrzeugen auf den Strand fahren und so durfte Knuff das erste Mal in einer wirklich atemberaubenden Atmosphäre stehen. Am Abend setzten wir dann über und kamen gegen Mitternacht in Kristiansand an. Auf einem kostenfreien Parkplatz oberhalb des Zentrums verbrachten wir mit ca. 12 anderen Campern von der Fähre eine ruhige Nacht. In den nächsten Tagen erkundeten wir mit dem Fahrrad Kristiansand und die Umgebung das erste Mal ohne Zeitdruck. Die letzten Anläufe mussten wir immer gut die Uhr im Blick behalten, um die nächste Schicht auf dem Schiff auch ja rechtzeitig antreten zu können. 

Von dort aus ging es erstmal nördlich ein Stück entlang des Setesdals landeinwärts. Über einen Pass erreichten wir wieder die Küste und unsere erste Norwegische Landschaftsroute – Jæren. Eine Seite von Norwegen, die wir so noch gar nicht kannten. Eine flache Küste, mit weitläufigen Bauernhöfen und langen Sandstränden. In Stavanger nutzen wir die Chance uns in Ruhe das Ölmuseum anzuschauen. Sonst konnten wir nicht viel machen, da es mittlerweile schon seit mehreren Tagen in Strömen regnete. Auf dem Preikestolen am Lysefjord waren wir von den Menschenmassen erschüttert, die sich dort mittlerweile nach und nach hochschieben. Doch wir konnten ein ruhiges Plätzchen finden, um den atemberaubenden Ausblick auf den Fjord zu genießen. Über die Landschaftsroute Ryflyke, die uns entlang von Schärenlandschaften, Fjorden, süßen Hafenstädtchen, Bergseen und tiefen Schluchten führte, erreichten wir nach einem kurzen Pass Odda am Hardangerfjord. Eigentlich sollte es nach wie vor regnen. Doch da es mittlerweile seit mehr als zwei Stunden nicht regnete und der Himmel recht hell war, machten wir uns am Nachmittag kurzerhand auf zum Buerbreen-Gletscher. Ein einzigartiges Erlebnis, da wir beide noch nie 800 Höhenmeter gestiegen sind und noch nie so nah am Eis eines Gletschers standen. 

Der Weg führte uns weiter entlang des Hardangerfjors, vorbei an sonnenverwöhnten Obsthängen, tosenden Wasserfällen und Fjordansichten wie im Bilderbuch. Ein kleiner Abstecher nach Bergen durfte natürlich auch nicht fehlen. Heute sind wir bei traumhaften Kaiserwetter am Sognefjord angekommen. Als unglaubliches Highlight begrüßte uns hier im kleinen Örtchen Vikerøy ein Delfin, der alle paar Minuten direkt vor dem Steg aus dem Wasser sprang. Scheinbar lebt er in diesem Fjordarm, denn für den anderen Besucher war Flipper selbstvertändlich.

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