Wildcampen in den USA – Informationen und Tipps

Gerade in den Sommermonaten sind die Stellplätze auf den öffentlichen und privaten Campingplätzen hoch im Kurs und teilweise schon ab Januar restlos ausgebucht. Daher ist das Wildcampen in den USA von großer Beliebtheit. 

Wenn Du noch nie zuvor einen Road-Trip durch Amerika mit einem klassischen Camper-Van, einem Wohnmobil oder Zelt unternommen hast, stellst Du Dir sicherlich die Frage, ob man auch außerhalb von den Campingplätzen mit seinem Gefährt legal inmitten der Natur übernachten darf. Damit Du gut auf Deinen Trip durch die reizvollen Landschaften der USA vorbereitet bist, beantworten wir Dir in diesem Beitrag eventuell aufkommende Fragen zum Thema Wildcampen auf amerikanischen Boden.

Was bedeutet Wildcampen in den USA eigentlich?

Im Gegensatz zu den kostenpflichtigen Campingplätzen in den National-, State- und Wohnmobil-Parks bieten Dir Campingmöglichkeiten in der freien Wildnis nur wenige bis gar keine der Annehmlichkeiten, die Du normalerweise gewöhnt bist. Toiletten, Duschen und oftmals sogar befestigte Straßen wirst Du bei Deinem Abenteuer ,,Übernachten inmitten der Natur” vergebens suchen. Stattdessen bist Du im Einklang mit der Natur und kommst in den Genuss von meist wenigen Nachbarn, den Blick in den Sternenhimmel bei klarer Sicht und natürlichen Geräuschen wie beispielsweise den Wind in den Bäumen. Obendrein erhältst Du das Gefühl von Freiheit abseits der ausgetretenen Pfade.

Woher weiß ich, ob mein Stellplatz für die Nacht legal ist?

Schau Dir vorab die Karte auf Google Maps oder alternativ auf einer klassischen Landkarte an. Achte dabei auf die hellgrün schattierten Bereiche innerhalb jeden Staates, die die sogenannten nationalen Wälder kennzeichnen. Halte auf Deinem Road-Trip auch Ausschau nach den braunen oder gelben Straßenschildern, die Dir anzeigen, dass Du soeben in das “public land” eingefahren bist. Innerhalb dieser der Öffentlichkeit zustehenden Gebiete ist es in den meisten Fällen legal und kostenfrei im Camper-Van, Wohnmobil oder Zelt zu schlafen. Wenn Du auf die Beschilderungen wie “no overnight parking” oder “no camping” achtest, solltest Du in der Nacht von der Polizei oder Rangern nicht geweckt werden.

Als wir im Herbst 2019 in den USA waren, nutzen wir täglich die Webseite www.freecampsites.net. Allerdings ist sie aktuell leider nicht verfügbar. Auf der Seite teilen Camper ihre Spots mit der Camper-Community und markiere sie auf der Karte. So kannst Du leicht und übersichtlich sehen, an welchen Plätzen andere meist kostenfrei die Nächte verbracht haben.  Eine Alternative ist die App The Dyrt. In den Filtereinstellungen kannst Du die Option „dispersed“ auswählen.

Die Campingmöglichkeiten in den den National Forests sowie auf Flächen des BLM (Bureau of Land Management) sind häufig anhand von Feuerstellen oder Nischen sichtbar. In den Nischen wurde von Vorgänger nur so viel in der Natur geändert, dass man sich mit seinem Wohnmobil ordentlich abseits des Weges dort platzieren kann. Es ist sehr wichtig erkennbare Plätze zu nutzen, um so wenig Eingriff wie möglich in die Natur zu verursachen.

Vanlife USA: An der Westkueste der USA
Unser Kastenwagen-Camper entlang des Highway No. 1 am Meer.

Auf welchen öffentlichen Flächen darf ich in den USA wildcampen?

Ist es nicht durch Verbotsschilder deutlich gekennzeichnet, darfst Du mit Deinem Camper innerhalb dieser staatlich festgelegten Gebiete unbesorgt übernachten:

    • National Forests
    • Bureau of Land Management (BLM)
    • Wildlife Management Areas (WMA)
    • National Grasslands
    • Einige County Parks & City Parks – Wichtig ist dort die Beachtung der Schilder!

Die Behörden heißen Camper auf den festgelegten Flächen willkommen und geben auf Schildern Hinweise zu den vor Ort befindlichen Begebenheiten. Daher ist es wichtig bei Ankunft Ausschau nach den Schildern zu halten. 

Auch wenns es mit campen in der freien Natur nichts zu tun hat, sind die Parkplätze von Walmart eine gute und häufig auch zuverlässige Adresse. Gerade wenn man auf längeren Strecken müde wird oder keinen passenden Naturplatz gefunden hat, bietet sich diese Alternative an. Leider bieten Dir nicht alle Walmarts die Möglichkeit auf ihren Parkflächen zu schlafen. Das ist meist der Fall, wenn die Flächen von Walmart gemietet werden. Daher ist es notwendig in der Filiale nachzufragen, ob das Parken über Nacht erlaubt ist. Wir empfehlen Dir aber vorab anzurufen. In den meisten Fällen können die Mitarbeiter am Telefon eine bessere Auskunft darüber geben als die Kollegen beim Kundenservice.  

Eine weitere Möglichkeit sind Trucker-Stops wie Pilot Flying J. Bevor Du Dir bei Pilot Flying J kostenlos ein Platz zwischen den ganzen LKWs suchen darfst, musst Du Dich beim Personal melden und Dein Namen sowie das Kennzeichen nennen. Allerdings war das für uns nur eine Notlösung, da fast alle LKWs keine Generatoren besitzen und die ganze Nacht die Motoren laufen lassen. Da man oftmals wirklich inmitten dieser laufenden Motoren stehen muss, ist die Geräuschkulisse entsprechend hoch und wohl das Gegenteil, von dem was man sich unter wildcampen vorstellt.

Vanlife USA: Übernachten im Death Valley
Wildcamping in der Wüste von Amerika (Kalifornien)

Worauf muss ich bei der Suche nach einem guten Stellplatz achten?

Viele Camper fahren auf Forststraßen in den Wald hinein und finden entweder eine Lichtung oder einen Platz in der Nähe (mindestens 30 Meter entfernt) eines Baches, kleinen Flusses oder Sees. Je nachdem in welchem Teil Du Dich in den USA befindest, findest Du mitunter auch Plätze mit Blick auf schöne Berglandschaften. Das Befahren von Wiesen oder Feldern ist verboten. Daher beschränke Dich beim Suchen eines Platzes auf bestehende Straßen, um Schäden in der Natur zu vermeiden. Nachfolgend findest Du unsere Erfahrungen: 

  • Frag einen Ranger
    • Für Insider-Tipps frage am besten einen Ranger oder einen Einheimischen. Du findest auf Deinem Weg durch das BLM Land immer mal wieder sogenannte Ranger-Stationen. Wir konnten mit der Hilfe von den Rangern nur gute Erfahrungen machen und hatten so am Ende des Tages einen schönen Schlafplatz. Du wirst erstaunt sein, wie hilfsbereit und witzig amerikanische Ranger sein können. Hab also keine Scheu.
       
  • Google Maps
    • Schaue hier nach den Grünflächen, die Dir öffentliches Land kennzeichnen. Verwenden auch auch den Satelliten-Modus von Google Maps, um Dir schon einen ersten Eindruck von Straßen und Landschaften zu machen. 

  • Beschaffenheit des Stellplatzes
    • Sofern möglich achte bei der Wahl Deines Stellplatzes darauf, dass der Untergrund eben ist, damit Du beim Schlafen nicht schief liegst. Je nach Anbieter und Größe Deines Campers werden Dir Auffahrkeile mitgegeben, die es Dir ermöglichen auf unebenen Boden gerade zu stehen. Darüber hinaus sind bei vielen Vermietern das Befahren von inoffiziellen Straßen nicht mitversichert. 

  • Stellflächen, wo schon andere Camper waren 
    • Wichtig ist, dass Du in Gebieten campst, wo schon andere Camper vor Dir waren, sofern dies erkenntlich ist. Flora und Fauna werden durch neue Campingmöglichkeiten stark beeinträchtigt, sodass die Nutzung bestehender Campingnischen die Auswirkungen auf den Wald bzw. der Natur minimiert. Das Prinzip von “Leave No Trace” findest Du weiter unten in diesem Beitrag.
Vanlife USA: Camper im Death Valley
Mit dem Kastenwagen-Camper inmitten des Death Valleys

Die wichtigsten Regeln beim Wildcampen in den USA

Bevor Du Dir einen Schlafplatz inmitten der reizvollen Landschaft der Vereinigten Staaten von Amerika suchst, solltest Du Dir auch im eigenen Interesse über Deine Pflichten im Klaren sein:

    • Kontaktiere das örtliche Forstamt. Dort erfährst Du, ob Beschränkungen in der Region vorliegen. Dazu gehört auch die Frage, ob Lagerfeuer erlaubt sind. Denn weite Teilen des Westens der USA sind viele Monate des Jahres über von starker Trockenheit betroffen. Daher sind dort in vielen Gebieten jegliche Feuer strengstens verboten.

    • Die goldene Regel beim Wildcampen lautet: Nimm alles, was Du benutzt hast inklusive Deines Mülls wieder mit. Entsorge Deine Abfälle ordnungsgemäß. Auch hier greift das Prinzip “Leave No Trace”, welches Du im nächsten Abschnitt des Beitrags findest.

    • Wildcampen ist nur mit einer Entfernung von zwei Kilometern zum nächsten Campingplatz und 30 Meter zu Flüssen, Bachläufen oder Seen erlaubt.

    • Beachte, dass das Schlafen am Straßenrad in der Regel illegal ist. Suche Dir daher ca. 50 Meter entfernt von der Straße einen Platz für die Nacht.

    • Sorge dafür, dass Du ausreichend Trinkwasser bei Dir hast oder Mittel, um es von Bakterien zu befreien Auch wenn Du einen Schlafplatz in der Nähe eines Gewässers gefunden hast, raten wir Dir davon ab, das Wasser zu trinken. Schließlich möchtest Du Deinen Road-Trip nicht früher beenden müssen ;).

    • Achte darauf, dass Du Netzempfang hast bzw. der Akku Deines Telefons geladen ist, damit Du für den Notfall auf GPS zurückgreifen oder telefonieren kannst.

    • Vertraue auf Dein Bauchgefühl – fühlst Du Dich an dem Platz nicht sicher, suche Dir einen Anderen.

    • Sei auf der Hut. Gerade in den nördlichen Staaten der USA und Kanada wohnen in bewaldeten und bergigen Regionen Bären. Auch in den alpinen Nationalparks wie Yellowstone, Yosemite, Glacier, Grand Teton und den Appalachen musst Du mit Bären rechnen. Bewahre daher Lebensmittel, duftende Materialien und auch Deinen Müll in verschlossenen, bärensicheren Behältnissen auf und verbanne sie über Nacht aus dem Auto. Bären haben nämlich einen starken Geruchssinn und sind stets auf der Suche nach etwas Essbarem. In den südlichen Staaten ist es eher unwahrscheinlich auf einen Bär zu treffen, dennoch ist es auch hier nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen.

    • Gewöhnlich sind die oben genannten Gebiete kostenlos, allerdings gibt es auch Abschnitte wo Du mit einer kleinen Gebühr von drei bis zehn Dollar rechnen musst.

    • Achte auf Verbotsschilder, damit Du beruhigt schlafen gehen kannst.
Vanlife USA: An der Ostkueste der USA
Alice mit unserem klassischem Campervan an der Ostkueste der USA im Bundesstaat Maine

Das Prinzip von “Leave No Trace”

Pinkeln Bären in den Wald? Ja das tun sie und Du wirst es beim Wildcampen auch machen müssen. 

Dispersed Camping bedeutet, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit in der Umgebung keine Toiletten geben wird. Daher musst Du Dich vor Deinem “Toilettengang” darum kümmern, Dir ein Loch von ca. 15 Zentimeter Tiefe mit einer Entfernung von mindestens 30 Meter zur nächsten Wasserquelle zu buddeln. Wenn Du Dein “Geschäft” erledigt hast, schüttest Du das Loch einfach wieder mit Sand zu. Dein benutztes Toilettenpapier musst Du mitnehmen und ordnungsgemäß entsorgen, da durch das Toilettenpapier das Ökosystem geschädigt wird. Alternativ kannst Du auch ein großes, flauschiges Blatt aus dem Wald verwenden 😉 

Darüber hinaus beinhaltet das Prinzip von “Leave No Trace” folgende sieben Punkte:

Sei vorbereitet und plane im Voraus

Wenn Du schlecht vorbereitet bist, stößt Du unter Umständen eher auf Herausforderungen. Es kann zu Situationen kommen, die Dich ermüden oder ängstlich machen. Möglicherweise resultieren daraus schlechte Entscheidungen. 

Eine gute Vorausplanung beinhaltet, dass Du Dich vorab mit Deiner Umgebung vertraut machst und die entsprechende Kleidung einpackst.. 

    • Kenne die Regeln und eventuelle Einschränkungen für die Region, die Du besuchen möchtest.

    • Sei auf extremes Wetter, wie Stürme oder Regen vorbereitet.
       
    • Plane Deine Reise so, dass Du gut und sicher ankommst. Vermeide lange Streckenabschnitte.

    • Verpacke Dein Essen so, dass Du vor Ort weniger Müll hast.

Auf unserem Road-Trip haben wir von einigen  Rangern gehört, dass viele Camper aufgrund schlechter Planung und unerwarteten Bedingungen sich oft selbst in große Gefahr gebracht haben.

Campe und laufe auf bereits vorhandenen Stellplätzen und Wegen

Auf der Suche nach einem geeigneten Campingplatz in freier Wildnis, achte auf den Untergrund des Bodens.

    • Sofern vorhanden, nutze bestehende Campingplätze und Wanderwege.

    • Campe mindestens 30 Meter von Seen, Bächen und Flüssen entfernt.

    • Halte Dein Campingplatz klein. 

    • Laufe auf schmalen Wanderwegen hintereinander.

Entsorge Deine Abfälle ordnungsgemäß

Angefangen von normalen Müll über menschliche Abfälle bis hin zum Spülwasser.

    • Bevor Du gehst, überprüfe Deinen Campingplatz und Rastplatz auf Müll oder verschüttete Lebensmittel. Nimm den gesamten Müll, Essensreste und Abfall wieder mit und entsorge ihn entsprechend. Am besten Du hinterlässt den Ort sauberer, als Du ihn vorgefunden hast.

    • Wenn Du Dein Geschirr draußen abwäschst, entsorge das Spülwasser mindestens 30 Meter von dem nächsten Gewässer entfernt. Zudem benutze kleine Mengen biologisch abbaubarem Spülmittel und verteile das Spülwasser großflächig.

Minimiere die Auswirkungen von Lagerfeuern

Lagerfeuer sind zwar ein zeitloses Camping-Ritual, aber sie können auch eines der zerstörerischsten sein bzw. werden. Beachte daher unbedingt die nachfolgenden Punkte:

    • Verwende vorhandene Feuerringe oder -schalen.

    • Halte das Feuer klein.

    • Warte bis das komplette Lagerfeuer zu Asche abgebrannt ist und lösche es dann. 

    • Bring kein Brennholz von zu Hause mit. Kaufe es lokal im Supermarkt oder sammel es selbst im Wald.

Nimm nichts aus der Natur mit nach Hause

Das Sprichwort „Nimm nur Bilder auf, hinterlasse nur Fußabdrücke“ gilt nach wie vor. Aber achte auch darauf, dass Du nicht zu viele Fußabdrücke hinterlässt. 

    • Verlasse bzw. hinterlasse Felsen, Pflanzen und andere natürliche Objekte so, wie Du sie vorgefunden hast.

    • Bauer Dir keine Möbel oder schaffe Strukturen.

    • Grabe keine großen Löcher. 

Respektiere die Tierwelt

Näher Dich nicht den Tieren. Sowohl Du als auch die Tiere werden die Begegnungen mehr genießen, wenn Du das Zoomobjektiv Deiner Kamera beherrschst und/oder ein Fernglas verwendest.

    • Beobachte die Tiere aus der Ferne und folge ihnen nicht.

    • Füttern von wilden Tieren ist verboten. Respektiere ihre Gesundheit!

    • Bewahre Deine Lebensmittel sicher auf, damit Du die Tiere und Dich schützt.

    • Sofern Du Dein Hund bei Dir hast, pass auf ihn auf!

    • Vermeide den Kontakt mit Wildtieren während wichtigen Zeiten, wie Paarung, Nestbau und der Aufzucht von Jungtieren

Nehme Rücksicht auf andere Camper oder Menschen in der Umgebung

Getreu dem Motto: “Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest“. Diese Regel gilt auch in der freien Natur. Lass Geräusche der Natur ihren Vorrang und verzichte auf laute Stimmen oder Geräusche.

Vanlife USA: Inmitten des Death Valleys
Auf dem Weg nach Las Vegas

Weitere und allgemeinere Informationen zum Camping-Abenteuer in den USA findest Du hier

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