Ausflugsexperte bei Mein Schiff / TUI Cruises – Erfahrungsbericht

Die Welt erkunden, dabei Destinationskenntnisse ausbauen und auch noch Geld ohne große Ausgaben zu verdienen – diese Möglichkeit klingt für viele Touristiker nach einem absoluten Traumjob. Um als Ausflugsexperte auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, wird neben fachlicher Kompetenz auch eine offene und gastfreundliche Persönlichkeit erwartet. In diesem Beitrag möchten ich den Job als Ausflugsexperte auf einem Kreuzfahrtschiff vorstellen und von meinen Erfahrungen berichten.

Das Landausflugsteam auf einem Kreuzfahrtschiff

An Bord wird die Abteilung wie bei allen Reedereien aufgrund des internationalen Umfelds Shore Excursion Department genannt. Je nach Fahrtgebiet hatte ich ca. acht bis 14 Ausflugsexperten-Kollegen in meinem Team, mit denen ich die Landausflüge abwickelte und begleitete. Weitere wichtigen Aufgaben waren die organisatorische Vorbereitung an Bord und die Beratung sowie der Verkauf zu den Öffnungszeiten. Chef der Abteilung war der Shore Excursion Manager, welcher vom Assistant Shore Excursion Manager unterstützt und vertreten wurde. Ein weiterer Teil des Departments war der Aktiv-Bereich, welcher vom Shore Activities Manager verantwortet wurde. Ca. vier bis fünf Bikeguides führten mit den Gästen Fahrradtouren durch. Je nach Fahrtgebiet war noch ein Golf- und ein Tauchexperte mit an Bord, die sich um ihren Bereich kümmerten. 

Auf den Neubauten der TUI-Flotte befindet sich die Landausflugsabteilung auf Deck 4 gegenüber der TUI Bar und vor dem Atlantik Restaurant. Hier können sich Gäste die Ausflüge rund um die Uhr an Buchungsterminals selbst anschauen und buchen oder sich zu den Öffnungszeiten beraten lassen. Angrenzend befindet sich das große (MS3 & 4) sowie eher kleine (ab MS5) Büro mit 3 Arbeitsplätzen für das Team sowie jeweils einem festen Arbeitsplatz für den Manager und seinen Assistant.

Ein typischer Arbeitstag eines Ausflugsexperten an einem Hafentag auf der Mein Schiff Flotte von TUI Cruises

Am Morgen startete mein Tag entweder direkt mit der Begleitung eines Ausflugs oder der organisatorischen Steuerung der Ausflüge auf der Pier (Dispatch). Die jeweilige Einteilung erfolgte immer erst am Tag zuvor, da die Ausflüge bis zu dieser Zeit gebucht werden konnten und sich so die Organisation erst spät planen ließ. Somit war jeder Tag eine kleine Überraschung, von der ich am Vorabend erfuhr. Häufig kam es vor, dass ich erst einmal zwei bis drei Ausflüge abwickelte – mich also am Treffpunkt einfand und den Gästen im Gegenzug zum Ticket eine Buskarte ausgab oder die Gruppe gebündelt zum Bus brachte – und dann einen Ausflug begleitete. In Fahrtgebieten, wo nicht ausreichend deutschsprachige Reiseleiter lebten, war neben der Qualitätssicherung auch die Übersetzung der Informationen ins Deutsche meine Aufgabe. In warmen Fahrtgebieten musste ich natürlich bei einem Badestopp auch den Strand testen. 🙂

Nach dem Dispatch, der je nach Fahrgebiet ca. zwei bis vier Stunden dauerte, stand organisatorische Arbeit auf dem Schiff an. Nach einer Mittagspause ging ich meist auf einen Nachmittagsausflug. Startete der Tag mit einem Vormittagsausflug, wickelte ich meist – je nachdem wann der Ausflug zurückkam – die restlichen Ausflüge für den Nachmittag ab und hatte dann bis zur nächsten Schicht zu den Öffnungszeiten frei. So blieb Zeit, um mir den Hafen privat anzuschauen oder einfach auf dem Schiff zu entspannen. Bei einem Nachmittagsausflug blieb beispielsweise keine private Zeit im Hafen, dafür war ich am Abend früher fertig. Begleitete ich einen Ganztagesausflug, kamen je nach Fahrtgebiet Aufgaben am Abend hinzu. Jeder musste nach dem Ausflug ein Qualitätsprotokoll ausfüllen, auf dem auch die einzelnen Zeiten der Programmpunkte vermerkt wurden.

Am Abend stand das Team den Gästen für ein bis zwei Stunden zur Beratung beiseite. Je nach Tagesablauf und vor allem immer bei einem Vormittagsausflug war ich zu den Öffnungszeiten Ansprechpartner für Fragen, Anregungen und Kritik. Zum Ende des Tages wurden auch die Side-Duties innerhalb der Abteilung erledigt. Die Aufgaben wurden in Themenbereiche eingeteilt und es waren meist je zwei Ausflugsexperten gemeinsam verantwortlich. Dazu zählten: Busschilder vorbereiten, Treppenhausbeschilderung aufstellen und wegräumen, Buskarten abzählen, Desinfektion der Schalter und des Büros, Gästebriefe schreiben, Monitorfilm vorbereiten, Druckmedien bestellen sowie abholen und einige mehr.

Ausflugsexperte am Hafentag im Geirangerfjord
Auf einem Ausflug im Geirangerfjord

Ein typischer Arbeitstag eines Ausflugexperten an einem Seetag auf der Mein Schiff Flotte von TUI Cruises

An einem Seetag konnte ich meist etwas länger schlafen, da die Arbeit in der Regel etwas später begann und die Gäste auch gerne mal etwas entspannter in den Tag starteten. Am anstrengenden war jede Reise der erste Seetag. Bei einer durchgängigen Öffnungszeit von 9 bis 19 Uhr war jeder mindestens acht Stunden eingeteilt. Zum Beginn der Kreuzfahrt gab es sehr großen Beratungsbedarf und der Schalter war meist den ganzen Tag über komplett voll. Hinzu kamen die weiteren Duties, die jeden Tag erledigt werden mussten. Die folgenden Seetage wurden nach und nach entspannter, da immer weniger Häfen übrig blieben. So blieb Zeit für Erledigungen wie Wäsche waschen, Kabine aufräumen und putzen oder einfach zum Entspannen auf dem Sonnendeck.

Eine weitere wichtige Aufgabe an einem Seetag waren die Ausflugspräsentationen, bei denen die Ausflüge im jeweils angelaufenen Hafen zu zweit vorgestellt wurden. Sie fanden so gut wie immer im Theater statt und die Besucherzahl variierte je nach Hafen und Wettersituation an Deck zwischen 50 bis sogar um die 600-800 Gästen. Ich durfte mir meist den vorzustellenden Hafen selbst aussuchen. Für die Vorbereitung der Präsentation und des Inhalts war ich selbst verantwortlich. Allerdings gab es eine Vorlage, die die visuelle Gestaltung festlegte.

Seetag Ausflugexperte Mein Schiff
An einem Seetag mit Freunden die Aussicht auf das Meer genießen

Aufgaben eines Ausflugsexperten am Embarkation Day bzw. Einschiffungstag

Am Wechseltag der Gäste fanden meistens keine Ausflüge statt. War dies doch der Fall, war die Anzahl der teilnehmenden Gäste jedoch sehr gering und so waren ein paar wenige für die organisatorische Steuerung und eventuelle Begleitung verantwortlich. Der Rest des Teams war entweder für den Check-In oder die Beratung der Gäste an den Buchungsschaltern eingetragen. Beim Check-In scannte man den Reisepass bzw. Personalausweis der Gäste ein, knipste ein Foto für das Security-Team, teilte die Musterstation für die Seenotrettungsübung mit und gab den Gästen ihre Bordkarten. Bei Erstkreuzfahrern wurden kurz die wichtigsten Punkte erklärt. Kurz vor Ablegen des Schiffs stand dann die Seenotrettungsübung an. Das Landausflugsteam ist immer an den Musterstationen der Gäste vertreten und so scannte ich meistens die Bordkarten zur Registrierung ein. Andere Aufgaben waren die Steuerung des Gästeflusses, die zusätzliche Kenntlichmachung der Musterstation oder auch die Demonstration für das Anlegen der Rettungsweste.

Highlights, Erlebnisse und Erfahrungen

In meinem ersten Vertrag war ich drei Monate lang in Mittelamerika unterwegs. Eigentlich war jeder Hafen und jeder Ausflug ein Highlight für mich, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nie in diesen Destinationen war. Ein ganz besonderes Highlight war der Panamakanal, da ich früher viele Berichte auf N24 über den Bau gesehen hatte und immer davon träumte, diesen einmal in echt zu sehen. In Panama City war ich das erste Mal am Pazifischen Ozean. In Belize durfte ich beim letzten Anlauf den Flug über das Blue Hole begleiten. In meinem zweiten Vertrag ging es von Kiel bis in den Orient. In Norwegen verzauberte mich die Stadt Kristiansand und die landschaftliche Umgebung rund um Stavanger. In England war ich das erste Mal bei Stonehenge. In Ägypten besuchte ich die Pyramiden und in Jordanien wanderte ich durch die Wüste des Wadi Rums. Der dritte Vertrag startete in der Karibik. Tropische Regenwälder und die türkis strahlende Karibische See sind einfach wunderschön. Zurück in Europa überraschte mich Liverpool positiv und die Gemeinde Étretat in der Normandie faszinierte mich mit ihren Kalksteinfelsen.

Die 7-Tage-Woche über sechs Monate im ersten Vertrag brachte mich an meine Grenzen. Ich war am Ende oft krank und musste mich außerhalb der Arbeitszeit oft ausruhen und habe nicht mehr so viel am Crew-Leben teilgenommen. Jedoch ist es eine gute Erfahrung zu wissen, dass man so lange durchhalten kann. Mit der entsprechenden Schonung konnte ich auch noch die letzten Woche an Bord genießen. Außerdem lernte ich während der Zeit an Bord mit wie wenig man eigentlich gut zurecht kommt und was man wirklich braucht. Daraufhin sortierte ich zu Hause einen Großteil meiner Sachen aus und meide seitdem jegliche Konsumkäufe, die nicht unbedingt notwendig sind. Es gibt andere Dinge und vor allem Erlebnisse, die mich erfüllen.

Struggles im Leben eines Ausflugsexperten an Bord der Mein Schiff Flotte

Das Wetter – die tägliche Stimmung und die Wahrnehmung des Ausflugs wurden extrem von den täglichen Wetterbedingungen beeinflusst, die uns im Hafen erwarteten. Ein Strandausflug im Regen macht keinen Spaß. Ebenso nicht ein Schnorchelausflug im aufgewühlten Meer oder ein Aussichtspunkt im Nebel.

Die Erwartungen der Gäste – obwohl die Ausflüge so genau wie möglich beschrieben wurden, stellten sich manche Gäste etwas anderes darunter vor und waren dementsprechend unzufrieden.

Übersetzung während des Ausflugs – manchmal kam es vor, dass ein Reiseleiter nicht so wirklich davon begeistert war, dass ich seine Tour übersetzte, oder er bzw. sie hatte einen starken Akzent, der schwer zu verstehen war, oder ein Gast war nicht so damit zufrieden, dass übersetzt wurde.

Kabine eines Ausflugsexperten bei Mein Schiff

An Bord der Mein Schiff Flotte (außer MS♥) lebt das Landausflugsteam in sogenannten Single-shared Kabinen. Die kleine Kabine mit Schreibtisch, herunterklappbarem Bett, Fernseher, kleinem Kühl- sowie Kleiderschrank und Miniwaschbecken verfügt über einen Zugang zum Bad mit WC & Dusche, welches ich mir mit meinem Kabinennachbarn teilte.

Meine Motivation für das Abenteuer Schiff und den ersten Vertrag an Bord

Nach meinem Studium mit Schwerpunkt Tourismus und einer zweijährigen Festanstellung bei DER Touristik wollte ich gerne dort Erfahrungen sammeln, wo Tourismus wirklich stattfindet und damit auch etwas von der Welt sehen. Ich sah mich nach Praktika in Kanada, Australien, Costa Rica und Hawaii um, doch aufgrund der fehlenden Arbeitserlaubnis konnten die Unternehmen nur 600-900 US-Dollar zahlen. Da ich keine hohen privaten Rücklagen gebildet hatte und kein fremdes Geld zur Unterstützung wollte, konnte ich damit die Lebenshaltungskosten nicht stemmen. Irgendwann stieß ich auf die Stellenbeschreibung und bewarb mich ehrlich gesagt ohne große Erwartung. Zunächst wurde ich zu einem Telefoninterview eingeladen und dann wurde eine Einladung zum Bewerbertag verschickt. Doch nach ein paar Wochen kam ziemlich kurzfristig die Anfrage für den Aufstieg zur Mittelamerika-Route. Es war die perfekte Möglichkeit für mein Vorhaben und bereits nach zwei Wochen wusste ich, dass es genau die richtige Entscheidung war.

Informationen zur Bewerbung

Bist Du nun von meinen Erfahrungen überzeugt und möchtest als Ausflugsexperte an Bord der Mein Schiff Flotte von TUI Cruises arbeiten, findest Du das Stellenangebot bei sea chefs.

Findet Deine Bewerbung Interesse, wirst Du meist zu einem telefonischen Gespräch und dann zu einem kleinen Bewerbertag eingeladen. Wenn Dein Auftreten und Deine Fähigkeiten überzeugen, erhältst Du einen befristeten Arbeitsvertrag für die Dauer des Einsatzes.

Tipps für Deine Zeit an Bord

➽ Regenschirm und robuster Regenponcho: Du bist an jedem Hafentag draußen und das Wetter spielt leider nicht immer so mit. An Bord gibt es nur Einmal-Ponchos, die unangenehm zu tragen sind und der Umwelt schaden.

➽ Dunkle Schuhe für Ausflüge: So musst Du Dir nicht allzu viele Gedanken darüber machen, dass sie sauber aussehen. Du brauchst nicht unbedingt Wanderschuhe, aber stabile Sneaker, die in Trekkingrichtung gehen. Es kommt nicht gut an, wenn von den Gästen Wanderschuhe gefordert werden und Du in trendigen Sneakern auftauchst.

➽ Warme Kleidung in Nordeuropa: Die Uniform stellt nur ein Poloshirt, einen Cardigan, eine Weste und eine Regenjacke. In Nordeuropa, besonders bei rauem Wetter, reicht das nicht aus. Daher nimm Dir unbedingt einen Fleecepulli- oder Jacke mit und da die Hose sehr dünn ist empfehle ich auch Funktionskleidung oder eine Leggins.

➽ Offline Übersetzer: Man kann nie jedes Wort wissen und beim Übersetzen hilf es manchmal sehr, dieses eine unbekannte Wort kurz „nachzuschlagen“.

➽ Weitere Pack-Tipps, die für jedes Crew-Mitglied hilfreich sind, findest Du in unsere Packliste.

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Voraussetzungen für den Job auf einem Kreuzfahrtschiff
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